Scheinprobleme

wie es mir gefällt

The Walking Dead. Finale.

Ich hab’s durch.

Spoiler inside. SPOILER! NICHT LESEN! NIEMALS!

Update 12.12.12 (stimmt nicht, sieht aber gut aus): Ich durfte übrigens mit Manu von InsertMoin ehemals Breakfast über Episode 5 reden. Das etwas längere Ergebnis kann man sich hier auf Superlevel anhören. 

Nachdem ich direkt nach dem Spiel nicht zu mehr fähig war, als diese kurzen Impulse loszuwerden:

Bin fertig mit den Nerven, Tränen flossen und Nerven lagen blank. Achso nein Präsens: liegen blank.
Habt ihr die Credits abgewartet?
Wie ist bei euch Kenny na ihr wisst schon?
Wer hat überlebt?
Was habt ihr Clem geraten?

möchte ich jetzt doch etwas weniger Inhaltsleeres dazu sagen. Und es ließe sich so verdammt viel sagen! Später dazu mehr.

 

Man muss der Marketingabteilung von Telltale Games wirklich ein großes Lob machen: Wie genial ist denn bitte der Hashtag #ForClementine ? Verrate es gerne, sehr genial! Auf Twitter erlebte ich eine #ForClementine Schwemme und Donnerstag Abend hat es der Tag sogar in die Trending Topics geschafft. Es ist ein emotionaler Hashtag, er ist zielorientiert und er stellt The Walking Dead nicht als (Spiel-)Produkt vor, denn er scheint frei zu sein von marketingtechnischen Interessen. Er ist ja so unschuldig. Dass dem natürlich nicht so ist, wird sicherlich jeder nach kurzem Nachdenken selber feststellen können. Und natürlich: genau darum geht es in dem Spiel: For Clementine. Für Clementine würden wir ALLES tun. Sie ist nicht nur irgendeine Nebenfigur, sie ist Dreh- und Angelpunkt all’ unserer Handlungen. Sie ist unsere Motivation jede noch so großen Zombieherde in WildWest Manier zu zerlegen. Für sie stehlen wir, suchen wir Unterkunft und Nahrung, begeben uns in Kanalisationen und nicht zuletzt, für sie töten wir. Andere. Uns selbst.

Welch Ironie! Natürlich war es abzusehen, dass wir sterben würden. Spätestens mit dem Zombie-Biss am Ende der 4. Episode ist jede zuvor noch aufgebaute Hoffnung und Illusion gestorben. Es war der Wendepunkt der deutlich machte: Ab jetzt geht es nur noch bergab. Vielleicht haben wir ein Boot, wir haben sogar Treibstoff ergattert, viele sind dafür gestorben und wir haben es dennoch geschafft juhe! Aber mit dem Biss war alles vorbei. Und so kam es auch. Episode 5 ist eine Aneinanderreihung von Unglücken, nach und nach verlieren wir unsere Gefolgschaft und mit dem körperlichen Verfall tritt auch der soziale Abstieg ein. Als wir beinahe am Ende unserer körperlichen Kräfte angekommen sind, tritt uns der Unbekannte entgegen und fügt uns genüsslich dem physischen Schaden noch den psychischen bei. Er ist unser jüngstes Gericht, unser Gewissen. Gnadenlos und in aller Seelenruhe zählt er uns unsere Verfehlungen auf. Den Diebstahl der Lebensmittel (ich hatte Hunger!), den Diebstahl des Pullis für Clementine, wen wir getötet haben für unser Weiterkommen. Unsere nicht nur sprichwörtlichen Leichen im Keller. Die angebotenen Rechtfertigungsversuche sind lächerlich. Das ist auch gut so, denn eine Entschuldigung kann es nicht geben. Die Konsequenzen unseres Handelns werden uns jetzt nun endlich vor Augen geführt: Indirekt zerstörten wir seine ganze Familie. Eine, die es irgendwie geschafft hatte noch zusammenzubleiben und wir haben zu ihrem Untergang beigetragen. Natürlich könnte man sich denken, “Wir haben sie ja nicht direkt getötet!”. “Nur indirekt”. Ähm. Fühlt sich das besser an? Kaum. Der Fremde wurde in den Wahnsinn getrieben und tritt nun gleichsam wie Richter und Henker vor uns auf. Absolution? Fehlanzeige.

Hier tritt für mich eine Schwäche dieses Finales ein. Anstatt nun zur körperlichen Instabilität eine psychische Labilität hinzukommen zu lassen, übergeht die Story diese eigentlich beeindruckende Szene und hetzt zum nächsten Ereignis weiter. Wie großartig wäre es bitte gewesen, wäre Lee durch die Bewusstwerdung dieser Ereignisse innerlich zerrüttet oder gar zerstört worden? Wenn er nicht mehr weitergekonnt hätte für einen Moment? Wenn Clementine, nun emotional gereift, Lee versucht zu unterstützen und ihn aus dieser Klemme zu ziehen? Wenn wir gleichsam mit Lee gezwungen worden wären, noch einen Hauch länger über unsere getroffenen Entscheidungen nachzudenken? WIE GROßARTIG WÄRE DAS GEWESEN?

Später einmal schweife ich noch mehr ab, aber jetzt kurz zu den Entscheidungen:

Kenny starb, als die Frau (Name….) in einer etwas unüberlegten Aktion in den Raum sprang. Allerdings bestand ich auch darauf, das WalkieTalkie wieder rauszuholen. Vermutlich wäre aber das Ergebnis bei “Ach lasst uns doch einfach weiter gehen” das selbe gewesen.

Was war mit Ben? Bei mir war er in Episode 4 schon *hüstel* verunglückt. Wie ist es mit ihm zu Ende gegangen?

Ich hatte zu Beginn Kenny dabei. Er war der Einzige, der mit mir kommen wollte, als ich an seinen Familiensinn appellierte. Er bot mir an, den Arm abzuschneiden. Hat das jemand getan? Hatte das Auswirkungen? Ich habe es gelassen, weil ich mir dachte, dafür ist es sowieso schon zu spät.

Der Gang über die Reklametafeln hin zum Hotel. Generös habe ich mich selbstverständlich angeboten zuerst darüber zu gehen. Hat jemand Omid und Frau (Name….:/) gebeten zu Gehen?

Habe Clementine im Juwelierladen geraten, zuerst zur Waffe zu greifen. Ergebnis war ein befreiter Zombie trotz Handschellen und nur mit Müh und Not konnten wir ihn erledigen.

Und natürlich hat sie mich erschossen. Ich habe immer geglaubt das Ende wäre offensichtlich. In irgendeiner blöden Aktion müssen wir uns entscheiden: Ich oder Clementine! Und wir entscheiden uns natürlich für Clementine. Aber so kam es nicht. Für eine letzte heroische Heldentat (Pleonasmus. Bildungsblogauftrag nehme ich ernst) gab man uns keine Gelegenheit. Und ja, das war in der Tat die viel bessere, eindrucksvollere Alternative. Weniger Hollywood, mehr Authentizität.

Die Credits. Ich habe sie tatsächlich gebraucht. Die Musik. Die Namen. Zum Runterkommen. Und diese kleine Ahnung, da müsse ja noch was kommen. Was dann aber kam, überraschte mich doch etwas. Ich sagte Clem, sie solle zum Zug gehen um Name und Omnid zu treffen, aber davon war keine Spur. Nur ausgesetzt in irgendeiner Savanne mit 2 Gestalten am Horizont. Ende.

2. Staffel wird kommen. Ich kann mir allerdings kaum vorstellen, dass es noch einmal dieselbe erzählerische Intensität erreichen kann. Aber Clementine wird’s schon schaffen. Wir haben sie ja gut “erzogen” und sie auf das Schlimmste vorbereitet.

Halte nur stets die Haare kurz, liebe Clementine!

 

Zu The Walking Dead 1&2 hier.
Zu The Walking Dead 3 hier.

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